Das Schiele-Bad

Passives Kreislauftraining nach Schiele

„Alle diese Krankheiten, welche Namen sie immer führen mögen, haben, so behaupte ich, ihren Grund, ihre Entstehungsursache, ihr Würzelchen, ihren Keim im Blute, vielmehr in Störungen des Blutes, mag dieses nun in seiner im gesunden Zustand geordneten Zirkulation gestört oder in seiner Zusammensetzung, in seinen Bestandteilen, durch nicht dahin gehörige schlechte Säfte verdorben sein.“
Sebastian Kneipp

Passives Kreislauftraining, das klingt anstrengend! Aber bei diesem Training ist man tatsächlich passiv – und kann genießen – wohltuende Erwärmung, gesteigerte Durchblutung sowie Duft und Wirkung ätherischer Öle. Ein Training ist diese Anwendung trotzdem, und zwar ein sehr intensives.

Schiele-Bäder sind temperaturansteigende Fuß- oder Armbäder, für deren Durchführung ein spezielles Schiele-Kreislauftrainingsgerät verwendet wird, eine niedrige Edelstahlwanne, die vom Boden her beheizt wird. Die automatische Beheizung erfolgt mit einem gleichmäßigen Temperaturanstieg von 0,5 °C pro Minute. Die Badedauer beträgt etwa 20 Minuten, dann ist die gewünschte Endtemperatur erreicht.

Das Wirkprinzip dieser Anwendung geht auf das temperaturansteigende Fußbad aus der Kneipp‘ schen Hydrotherapie zurück. Der Thermoreiz trifft auf die Fußsohle mit ihren Reflexzonen. Die Gefäße, insbesondere unsere kleinsten Gefäße, die Kapillaren, erweitern sich, die Durchblutung nimmt zu. Durch den gleichmäßigen Temperaturanstieg des Schiele-Bades wird dabei ein Verkrampfen der Kapillaren vermieden. Die Erwärmung im Fußbereich setzt sich über die Beine und den Bauchraum in den ganzen Körper fort. Die Körperoberfläche „zieht“ durch die Gefäßerweiterung mehr Blutvolumen aus dem Körperinnern an. Daraus resultieren eine kräftige Durchblutung des ganzen Körpers und eine Entlastung der inneren Organe. Die Verwendung spezieller Badezusätze und die Vorbehandlung der Fußsohle mit ätherischen Ölen steigern den Effekt.

Die Anwendung kann sich positiv auswirken zur:

  • Intensivierung der gesamten Durchblutung
  • Durchblutung erkrankter Areale
  • Neubildung von Kapillaren (sog. Kollateralen)
  • gesteigerten Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen
  • Anregung des Abtransports von Stoffwechselendprodukten
  • Unterstützung eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts
  • Durchführung eines sanften Herz-Kreislauf-Trainings, auch bei Bewegungseinschränkungen
  • Anregung des Lymphflusses
  • Schmerzreduktion bis hin zur Schmerzfreiheit

Der Hamburger Arzneibäderfabrikant Fritz Schiele entwickelte das nach ihm benannte Gerät in den 1930er Jahren. Die Behandlung fand in Kurkliniken und in der Heimanwendung weite Verbreitung und wurde aufgrund seiner exzellenten Wirksamkeit und Sicherheit bis in die 1980er Jahre von den Krankenkassen erstattet. Die Veränderungen im Gesundheitssystem ließen das Schiele-Bad etwas in Vergessenheit geraten.

Es ist nach wie vor ein wirksames therapeutisches Instrument überall dort, wo Durchblutung vermindert bzw. eine Anregung der Durchblutung erwünscht ist.

Das Schiele-Bad wird nach eingehender Beratung in der Praxis i. d. R. als Heimanwendung durchgeführt. Die regelmäßige Anwendung ist von entscheidender Bedeutung, optimal an fünf aufeinanderfolgenden Tagen in der Woche. Die Badebedingungen (Anfangs- und Endtemperatur, Badedauer, Wahl des Badezusatzes und der ätherischen Öle) werden dabei individuell angepasst.